Theodor Fontane
(1819-1898)
Herbstmorgen
Die Wolken ziehn wie Trauergàsste
den Mond zu Grabe zu geleiten;
der Wind durchfegt die starren Hefte,
und sucht ein Blatt aus bessren Zeiten.
Die grùnen Tannen schaun so dùster
auf eine jung-geknickte Eiche,
als blickten trauernde Geschwister
auf der geliebten Schwester Leiche.
Mattino
d’autunno
Nubi
trascorrono come a un funerale
e
portano la luna a sepoltura;
il
vento spazza rigidi quaderni,
e
cerca un foglio da migliori tempi.
Verdi
abeti si volgono sì cupi
su
di una quercia in gioventù piegata,
come
gli sguardi di fratelli in lutto
su
cadavere di sorella cara.
*
Mein Herz
Der stolzen Sonne heiss und glùhend,
dem stillen Monde trùb und bleich,
-
sehnsùchtig tausend Sterne sprùhend –
mein Herz, mein Herz ist beiden gleich.
Dem Himmel klar und rein und blauend,
der Wolke, - jetzt gewitterreich
und jetzt in Thrànen nieder thauend -
mein Herz, mein Herz ist beiden gleich.
Mio cuore
Sole
orgoglioso caldo e ardente,
torbida
pallida luna silente,
-
asperge
mille stelle in nostalgia –
mio cuore mio cuore
simile a tuttedue.
Cielo chiaro puro che
s’azzurra,
nuvola, ora
temporalesca
e che ora molce in
lacrime,
mio cuore mio cuore
simile a tuttedue.
*
Guter Rath
An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen Deine Sorgen
wie Nebel von Dir ab.
Des Himmels heitere Blàue
lacht Dir ins Herz hinein,
und schliesst, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach Dich ein.
Buonconsiglio
In
un mattino estivo
prendi
la verga da viandante,
cadono
le tue ubbìe
di
dosso a te come le nebbie.
Del
ciel l’azzurrità serena
ti
ride dentro il cuore,
come
fede di Dio racchiude
te
come sotto a un tetto.
Theodor Fontane wurde am 30.12.1819 in Neuruppin geboren.
Er stammte aus einer in Preußen heimisch gewordenen Hugenottenfamilie. Der
Vater war Apotheker. Fontane besuchte das Gymnasium Neuruppin (1832) und die
Gewerbeschule Berlin (1833). 1836-1840 Apothekerlehre in Berlin.
Fontane gab 1849 seinen
Apothekerberuf auf, er arbeitete dann mit Unterbrechung bis 1859 als freier
Mitarbeiter im Büro eines Ministeriums. Er lebte von 1855-1859 in England als
Berichterstatter. Von 1860 bis 1870 arbeitete er als Redakteur der Berliner
'Kreuz-Zeitung'. 1870-1889 Theaterkritiker bei der 'Vossischen Zeitung'. 1876
Sekretär der Akademie der Künste Berlin und freier Schriftsteller. 1894 Dr.
phil. h.c. Fontane starb am 20.9.1898 in Berlin.


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