Georgien 2008

Georgien 2008

Theodor Fontane



Theodor Fontane
(1819-1898)



Herbstmorgen


Die Wolken ziehn wie Trauergàsste
den Mond zu Grabe zu geleiten;
der Wind durchfegt die starren Hefte,
und sucht ein Blatt aus bessren Zeiten.

Die grùnen Tannen schaun so dùster
auf eine jung-geknickte Eiche,
als blickten trauernde Geschwister
auf der geliebten Schwester Leiche.


Mattino d’autunno


Nubi trascorrono come a un funerale
e portano la luna a sepoltura;
il vento spazza rigidi quaderni,
e cerca un foglio da migliori tempi.

Verdi abeti si volgono sì cupi
su di una quercia in gioventù piegata,
come gli sguardi di fratelli in lutto
su cadavere di sorella cara.


*

Mein Herz


Der stolzen Sonne heiss und glùhend,
dem stillen Monde trùb und bleich,
-         sehnsùchtig tausend Sterne sprùhend –
mein Herz, mein Herz ist beiden gleich.

Dem Himmel klar und rein und blauend,
der Wolke, - jetzt gewitterreich
und jetzt in Thrànen nieder thauend -
mein Herz, mein Herz ist beiden gleich.



Mio cuore


Sole orgoglioso caldo e ardente,
torbida pallida luna silente,
-         asperge mille stelle in nostalgia –
mio cuore mio cuore simile a tuttedue.

Cielo chiaro puro che s’azzurra,
nuvola, ora temporalesca
e che ora molce in lacrime,
mio cuore mio cuore simile a tuttedue.



*
Guter Rath


An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen Deine Sorgen
wie Nebel von Dir ab.

Des Himmels heitere Blàue
lacht Dir ins Herz hinein,
und schliesst, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach Dich ein.



Buonconsiglio


In un mattino estivo
prendi la verga da viandante,
cadono le tue ubbìe
di dosso a te come le nebbie.

Del ciel l’azzurrità serena
ti ride dentro il cuore,
come fede di Dio racchiude
te come sotto a un tetto.




Theodor Fontane wurde am 30.12.1819 in Neuruppin geboren. Er stammte aus einer in Preußen heimisch gewordenen Hugenottenfamilie. Der Vater war Apotheker. Fontane besuchte das Gymnasium Neuruppin (1832) und die Gewerbeschule Berlin (1833). 1836-1840 Apothekerlehre in Berlin.
Fontane gab 1849 seinen Apothekerberuf auf, er arbeitete dann mit Unterbrechung bis 1859 als freier Mitarbeiter im Büro eines Ministeriums. Er lebte von 1855-1859 in England als Berichterstatter. Von 1860 bis 1870 arbeitete er als Redakteur der Berliner 'Kreuz-Zeitung'. 1870-1889 Theaterkritiker bei der 'Vossischen Zeitung'. 1876 Sekretär der Akademie der Künste Berlin und freier Schriftsteller. 1894 Dr. phil. h.c. Fontane starb am 20.9.1898 in Berlin.





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