Georgien 2008

Georgien 2008
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Georg Lukács cento anni fa su George / Georg Lukács vor hundert Jahren über George



ph: TroveRete, Bartholomeus Anglicus, Mappa mundi





„Seine Landschaften sind nirgends vorhanden, und doch ist jeder Baum und jede Blume
konkret in ihnen, und ihr Himmel leuchtet in den einzigen, nie wiederkommenden Farben
einer ganz bestimmten Stunde. Wir kennen den Menschen nicht, der durch die Gegend
geht, sehen doch in einem Augenblick wohl tausend winzige Schwingungen in seinem
innersten Wesen, um ihn gleich darauf nicht mehr und dann nie mehr zu sehen; wir wissen
nicht, wen er lieb hat, wissen nicht, warum er leidet und warum er plötzlich aufjauchzt, und
doch erkennen wir ihn besser in diesem Augenblick, als wenn wir alles wüssten, was er
erlebt hat.“




“I suoi paesaggi non sono mai tematici, eppure ciascun albero e ciascun fiore è concreto in essi, e il loro cielo riluce nei colori unici che mai ritornano di una ben determinata ora. Non conosciamo chi li attraversa, eppure in un attimo vediamo bene mille minime oscillazioni nel suo più intimo essere, per poi subito dopo non vederlo più e poi mai più; non sappiamo a chi vuol bene, non sappiamo perchè soffre e perchè improvvisamente si esalti, eppure lo riconosciamo meglio in questo attimo che se sapessimo tutto il suo vissuto.”









*

Guidato dal canto che piano insinua / Geführt vom sang der leis sich schlang · // L'anno dell'anima / Das Jahr de Seele












Geführt vom sang der leis sich schlang ·
Dir ward er leicht der ufergang.
Ich sah der höhen dichten rauch
Verjährtes laub und distelstrauch.

Dein auge schweift schon träumerisch
Auf eine erde gabenfrisch ·
Denn dein gedanke flattert fort
Voraus zu einem sichern hort.

Ich frage noch: wer kommt wenn sanft
Die gelbe primel nickt am ranft
Und sich das wasser grün umschilft
Der mir den mai beginnen hilft?






Guidato dal canto che piano insinua
Facile ti fu passare la riva.
Il denso fumo vidi delle vette
Le fronde seccate e mazzi di cardi.

Il tuo occhio già sogna
Doni freschi alla terra ·
Che il pensiero s' invola
Verso un luogo sicuro.

Ma mi domando: chi verrà se lieve
Nicchia sul bordo una primula gialla
Se dall’acqua la canna esce verde
Ad aiutarmi ad iniziare il maggio?








da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013






Was Georg Lukács vor hundert Jahren über George schrieb: 

„Seine Landschaften sind nirgends vorhanden, und doch ist jeder Baum und jede Blume konkret in ihnen, und ihr Himmel leuchtet in den einzigen, nie wieder­kommenden Farben einer ganz bestimmten Stunde. Wir kennen den Menschen nicht, der durch die Ge­gend geht, sehen doch in einem Augenblick wohl tausend winzige Schwingungen in seinem innersten Wesen, um ihn gleich darauf nicht mehr und dann nie mehr zu sehen; wir wissen nicht, wen er lieb hat, wissen nicht, warum er leidet und warum er plötzlich aufjauchzt, und doch erkennen wir ihn besser in diesem Augenblick, als wenn wir alles wüssten, was er erlebt hat.“







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