Georgien 2008

Georgien 2008
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quartina: Dein Herz, das du nicht schùtzen willst / Il tuo cuore che protegger non vuoi


 




ph: Affreschi del Castello della Manta, La fontana di eterna giovinezza








Dein Herz, das du nicht schùtzen willst,

Ist gleich der Perle Einsamkeit.

Du suchst nur mild Gewissens Zwist,

Zum grossen Kampf bist stets bereit.






Il tuo cuore che protegger non vuoi,

é la solitudine della perla.

Tenti solo a mite coscienza disputa,

alla grande lotta sei quasi pronto.

a bocconcini e morsetti vi darò





ph: a weed called Canepa







Die blume die ich mir am fenster hege
Verwahrt vorm froste in der grauen scherbe
Betrübt mich nur trotz meiner guten pflege
Und hängt das haupt als ob sie langsam sterbe.

Um ihrer frühern blühenden geschicke
Erinnerung aus meinem sinn zu merzen
Erwähl ich scharfe waffen und ich knicke
Die blasse blume mit dem kranken herzen.

Was soll sie nur zur bitternis mir taugen?
Ich wünschte dass vom fenster sie verschwände . .

Nun heb ich wieder meine leeren augen
Und in die leere nacht die leeren hände.



Il fiore che mi serbo alla finestra
Dal gelo nonostante la mia cura
Mi rattrista e lascia pendere il capo

Come stesse morendo piano piano.

Per svellere il ricordo del suo primo
Fiorente fato dalle sensazioni
Mi scelgo armi affilate e piego il pallido

Fiore che appare con cuore malato.

Cosa deve servire all’amarezza?
Vorrei che scomparisse dalla vista . .
Sollevo ora dinuovo gli occhi vuoti
E nella notte vuota vuote mani.

















Das Jahr der Seele, Nach der Lese
L'anno dell'anima, Dopo il raccolto


da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013

Vieni nel parco detto morto e guarda


ph: A. Breitenbach






Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·

Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben ·

Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.



Vieni nel parco detto morto e guarda:
Luce di lontane spiagge ridenti ·
Delle pure nuvole l’insperato azzurro
Rischiara acque e colorati viali.

Là prendi il giallo scuro · il grigio chiaro
Da betulle e bosso · il vento è tiepido ·
Rose tardive non del tutto appassite ·
Cogli baciale intreccia una corona ·

Non ti scordare questi ultimi astri ·
La porpora intorno ai villi selvatici ·
E quanto resta della verde vita
Attorci leggero al volto autunnale.





Das Jahr der Seele, Nach der Lese
L'anno dell'anima, Dopo il raccolto


da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013









*

Gioco di lotta - se ferisce - sente / Das kampfspiel das · wo es verlezt · nur spüret




ph: TroveRete, Templare






Das kampfspiel das · wo es verlezt · nur spüret 
Wenn sich ein schluchzend haupt verbirgt im schooss – 
Das solang prüfend greift bis es zerschnüret: 
Wird nun im traume gross. 

Der wilde kuss gleich duldend wie versehrend ·
Nach fluten dürstend die unschöpfbar sind ·
Im grauen der vernichtung sich verzehrend: 
Wird nun im traume lind. 

Das scheiden in der nacht das alles bittre 
Lang fühlen lässt · wo ich dich schau und grüss 
Als fremder fast und schweigen muss und zittre: 
Wird nun im traume süss. 






Gioco di lotta - se ferisce - sente
La testa nei singhiozzi ascosa in grembo -
Che tira tanto finché poi si spezza:
In sogno si fa grande.

Bacio selvaggio attendere o impedire ·
Assetato di un fluire impossibile ·
La pena dell'annientamento:
In sogno si fa bello.

Separarsi la notte che fa amaro
A lungo tutto · se guardo e saluto
Quasi estraneo devo tacere e tremo:
In sogno si fa dolce.













da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013


*

LA MARCIA / EINZUG



ph: salsel, Lanterna lontana










Voll ist die zeit ·
Weckt was gefeit
Schlief mit dumpfem gegrolle.
Jahrnächte lang
Unsichtbar schlang
Nichtig dursten der scholle:

Grausam geheiss
Tod-nahen schweiss
Ohnmachtschrei der Besessnen ·
Hilflose qual
Fluchwürdig mal
Sterbend flehn der Vergessnen.

Boden zerriss
Hülle zerspliss
Same drängte zu sonnen.
Die ihr entfuhrt
Dunkler geburt
Euer reich hat begonnen.

Spreng aus der kluft!
Schrecke die luft
Leuchtender heere geschmetter!
Rachlieder schnaubt
Senget und raubt
Tötet und sichtet · ihr Retter!

Trocknes und meer
Teilet ihr quer
Öden neu zu befelden.
Keimwolken streut
Lenzblüte beut
Sturm und feuer der Helden.






Il tempo è compiuto ·
Svegliate chi in salvo
Fa dormendo un sordo rumore.
Tutte queste notti
Si insinuò non visto
Assetato delle nostre zolle:

Orribile nomea
Sudore di morte
Gridano i Posseduti ·
Inerme tormento
Tempo maledetto
Implorano i Dimenticati.

Terra si spalanca
Il velo si strappa
Il seme spinse verso i soli.
Chi conduceste via
Di nascita oscura
Al vostro regno diede inizio.

Fuori esci dal fosso!
Terrorizza l'aria
Scintilla esercito di luce!
Canti di vendetta
Bruciate e rubate
Uccidete · voi Salvatori!

L'asciutto ed il mare
Tagliate per storto
Per fertilizzare deserti.
Spargete nube di germogli
Saccheggiate la primavera
Bufera e fuoco degli eroi.















da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013


*

DER WIDERCHRIST / L’ANTICRISTO












>Dort kommt er vom berge · dort steht er im hain!
Wir sahen es selber · er wandelt in wein
Das wasser und spricht mit den toten.<

O könntet ihr hören mein lachen bei nacht:
Nun schlug meine stunde · nun füllt sich das garn ·
Nun strömen die fische zum hamen.

Die weisen die toren – toll wälzt sich das volk ·
Entwurzelt die bäume · zerklittert das korn ·
Macht bahn für den zug des Erstandnen.

Kein werk ist des himmels das ich euch nicht tu.
Ein haarbreit nur fehlt · und ihr merkt nicht den trug
Mit euren geschlagenen sinnen.

Ich schaff euch für alles was selten und schwer
Das Leichte · ein ding das wie gold ist aus lehm ·
Wie duft ist und saft ist und würze –

Und was sich der grosse profet nicht getraut:
Die kunst ohne roden und säen und baun
Zu saugen gespeicherte kräfte.

Der Fürst des Geziefers verbreitet sein reich ·
Kein schatz der ihm mangelt · kein glück das ihm weicht ...
Zu grund mit dem rest der empörer!

Ihr jauchzet · entzückt von dem teuflischen schein ·
Verprasset was blieb von dem früheren seim
Und fühlt erst die not vor dem ende.

Dann hängt ihr die zunge am trocknenden trog ·
Irrt ratlos wie vieh durch den brennenden hof ...
Und schrecklich erschallt die posaune.








>Là scende dal monte · là sul pianoro!
Lo vedemmo noi · egli trasforma in vino
L'acqua e discorre con i morti.<

Oh poteste udire a notte il mio riso:
Ora è suonata la mia ora · si compie ·
Ora i pesci corrono all'amo.

I saggi gli stolti - si agita il popolo ·
Divelti gli alberi · distrutto il grano ·
Fate largo arriva il Risorto.

Non vi è opera del cielo ch'io non faccia.
Manca un pelo · non notate l'imbroglio
Con i vostri sensi colpiti.

Porgo per tutto quel che è raro e duro
Il Leggero · indoro cosa di fango ·
Metto profumo succo e spezie -

E quel che non osò il grande profeta:
Arte senza semina e costruzione
Suggere accumulate forze.

Il Principe Infetto amplifica il regno ·
Oro non manca · né felicità..
In rovina il resto di empirei!

Gioite · incantati all'infero raggio ·
Sciupate quel che di linfa rimase
E infine sentite miseria.

La lingua incollate al truogolo secco ·
Come il bestiame errate nell'incendio..
Terribile suona la tromba.










da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 
Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013


CANTO NOTTURNO I / NACHT-GESANG I






ph: salsel, Maragliano, Madonna in legno















Mild und trüb
Ist mir fern
Saum und fahrt
Mein geschick.

Sturm und herbst
Mit dem tod
Glanz und mai
Mit dem glück.

Was ich tat
Was ich litt
Was ich sann
Was ich bin:

Wie ein brand
Der verraucht
Wie ein sang
Der verklingt.







Mite e buio
Mi è lontano
Viaggio e limite
Il mio fato.

Turbine e autunno
Con la morte
Brillio e maggio
Con la gioia.

Che cosa ho fatto
Cosa ho patito
Cosa ho sognato
Che cosa sono:

Come incendio
Che va in fumo
Come un canto
Si disperde.









da “Stefan George, Sämtliche Werke in 18 Bänden”, 


Hrsg. Stefan George Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013
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