Geführt vom sang der leis sich schlang ·
Dir ward er leicht der ufergang.
Ich sah der höhen dichten rauch
Verjährtes laub und distelstrauch.
Dein auge schweift schon träumerisch
Auf eine erde gabenfrisch ·
Denn dein gedanke flattert fort
Voraus zu einem sichern hort.
Ich frage noch: wer kommt wenn sanft
Die gelbe primel nickt am ranft
Und sich das wasser grün umschilft
Der mir den mai beginnen hilft?
Guidato dal canto che
piano insinua
Facile ti fu passare la
riva.
Il denso fumo vidi delle
vette
Le fronde seccate e
mazzi di cardi.
Il tuo occhio già sogna
Doni freschi alla terra
·
Che il pensiero s' invola
Verso un luogo sicuro.
Ma mi domando: chi verrà
se lieve
Nicchia sul bordo una
primula gialla
Se dall’acqua la canna esce
verde
Ad aiutarmi ad iniziare
il maggio?
da “Stefan George,
Sämtliche Werke in 18 Bänden”,
Hrsg. Stefan George
Stiftung, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013
Was Georg Lukács vor hundert Jahren über George schrieb:
„Seine
Landschaften sind nirgends vorhanden, und doch ist jeder Baum und jede Blume
konkret in ihnen, und ihr Himmel leuchtet in den einzigen, nie wiederkommenden
Farben einer ganz bestimmten Stunde. Wir kennen den Menschen nicht, der durch
die Gegend geht, sehen doch in einem Augenblick wohl tausend winzige
Schwingungen in seinem innersten Wesen, um ihn gleich darauf nicht mehr und
dann nie mehr zu sehen; wir wissen nicht, wen er lieb hat, wissen nicht, warum
er leidet und warum er plötzlich aufjauchzt, und doch erkennen wir ihn besser
in diesem Augenblick, als wenn wir alles wüssten, was er erlebt hat.“
*

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