Georgien 2008

Georgien 2008

im felderlatein, Lutz Seiler



culmitzsch

am abend verrosten die schafe
über der brache, vögel
wie dahingeschneit & nachgedunkelt ...

nur unter dem schutt
sind die höfe noch warm. die löffel
liegen bei den löffeln, das fett
an den stiefeln & zur stiefelkammer führt
jene zwergenhafte tür, die dich
zu tränen rührt, mutter der löffel

käm ich nach haus, wäre alles gesagt.
dein ortsfestes gehen, die
krätze, das kleinvieh, das stricken
gegen die strömung & ein geruch
von auferstehung in der luft;

salpetergedanken, salpetergespräche,
das feuchte im kissen
unter den köpfen, wenn sie noch träumen
die pilze der atmung; der lehm
der kühl in meine
lungen rieselt beim tief schlafen ...
glück auf, gute nacht
mutter der löffel, prinzessin der schürze; du

warst nie & warst von nichts beschienen, du
strahltest alles selber aus glück auf
gute nacht ihr betrunkenen mütter. heimkehr
ist einkehr des atems
staubige umkehr & leise

wie von ferne fällt
der lehm zurück, langsam
aus der zeit ins stroh & um
die unsichtbaren fugen haftet
ein gebälk, das sich von selbst
errichtet, o

auffahrt der höfe ins fachwerk der nacht.
der hund gilt als schwierig, der fusel
wiegt schwer
rollen die schatten
der vögel im schutt;
das ist die steinzeit der dörfer

*
was ich besaß

in der bogenschrift des ackers glänzten
ein paar glasbausteine, büschel gras & kleine
gebeine: wie

alles beieinander liegt zum schluss.
anstieg, aufstieg & so war
viel morsen, funken, scheitern um
die füße, schritt für schritt. ich

hatte die kapuze dicht am ohr, das läuten
der arme, die feine
schabende arbeit des mantels, vor
zurück, zurück & vor – mein

schleichendes quartier.
ging ich langsam, war es leiser &
blieb ich einmal stehn, so war
ich fast gestorben



*

wer hinten geht
hat seine eigne welt. ganz leicht
fällt alles vom geräusch
der schritte ab
ins laub. du hörst

ein schleppen, scharren, schleifen
seiner beine auf
das unbeschriebne zentrum hin
mit schritten, die bloß weitergehn
wenn er die augen

schließt im rücken
ziehn die berge fort mit ihm
aus ihren existenzen
voller höhlen, flüsse, gipfel an
den füßen, wer

hinten geht, durchmisst den tag
den du vergessen hast (...)



*


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