Georgien 2008

Georgien 2008

Rainer Maria Rilke, Briefe





Rainer Maria Rilke schrieb am 13. November 1925  an seinen polnischen Übersetzer Witold Hulewicz, der ihn um Erläuterungen zu seinen Duineser Elegien gebeten hatte, u.a. folgendes:



Und bin ich es, der den Elegien die richtige Erklärung geben darf? Sie reichen unendlich über mich hinaus. Ich halte sie für eine weitere Ausgestaltung jener wesentlichen Voraussetzungen, die schon im „Stundenbuch“ gegeben waren, die sich, in den beiden Teilen der „Neuen Gedichte“, des Welt-Bilds spielend und versuchend bedienen und die dann im Malte, konflikthaft zusammengezogen, ins Leben zurückschlagen und dort beinah zum Beweis führen, daß dieses so ins Bodenlose gehängte Leben unmöglich sei. In den „Elegien“ wird, aus den gleichen Gegebenheiten heraus, das Leben wieder möglich, ja es erfährt hier diejenige endgültige Bejahung, zu der es der junge Malte, obwohl auf dem richtigen schweren Wege „des longues études“, noch nicht führen konnte. Lebens- und Todesbejahung erweist sich als Eines in den „Elegien“.
Das eine zuzugeben ohne das andere, sei, so wird hier erfahren und gefeiert, eine schließlich alles Unendliche ausschließende Einschränkung. Der Tod ist die uns abgekehrte, von uns unbeschienene Seite des Lebens: wir müssen versuchen, das größeste Bewußtsein unseres Daseins zu leisten, das in beiden unabgegrenzten Bereichen zu Hause ist, aus beiden unerschöpflich genährt... Die wahre Lebensgestalt reicht durch beide Gebiete, das Blut des größesten Kreislaufs treibt durch beide: es gibt weder ein Diesseits noch Jenseits, sondern die große Einheit, in der die uns übertreffenden Wesen, die „Engel“, zu Hause sind. (...)
Die Natur, die Dinge unseres Umgangs und Gebrauchs, sind Vorläufigkeiten und Hinfälligkeiten; aber sie sind, solang wir hier sind, unser Besitz und unsere Freundschaft, Mitwisser unserer Not und Froheit, wie sie schon die Vertrauten unserer Vorfahren gewesen sind. So gilt es, alles Hiesige nicht nur nicht schlecht zu machen und herabzusetzen, sondern gerade, um seiner Vorläufigkeit willen, die es mit uns teilt, sollen diese Erscheinungen und Dinge von uns in einem innigsten Verstande begriffen und verwandelt werden. Verwandelt? Ja, denn unsere Aufgabe ist es, diese vorläufige, hinfällige Erde uns so tief, so leidend und leidenschaftlich einzuprägen, daß ihr Wesen in uns „unsichtbar“ wieder aufersteht. Wir sind die Bienen des Unsichtbaren. Nous butinons éperdument le miel du visible, pour l’accumuler dans la grande ruche d’or de l’Invisible. Die „Elegien“ zeigen uns an diesem Werke, am Werke dieser fortwährenden Umsetzungen des geliebten Sichtbaren und Greifbaren in die unsichtbare Schwingung und Erregtheit unserer Natur, die neue Schwingungszahlen einführt in die Schwingungs-Sphären des Universums. (Da die verschiedenen Stoffe im Weltall nur verschiedene Schwingungsexponenten sind, so bereiten wir, in dieser Weise, nicht nur Intensitäten geistiger Art vor, sondern wer weiß, neue Körper, Metalle, Sternnebel und Gestirne).
Und diese Tätigkeit wird eigentümlich gestützt und gedrängt durch das immer raschere Hinschwinden von so vielem Sichtbaren, das nicht mehr ersetzt werden wird. Noch für unsere Großeltern war ein „Haus“, ein „Brunnen“, ein ihnen vertrauter Turm, ja ihr eigenes Kleid, ihr Mantel: unendlich mehr, unendlich vertraulicher; fast jedes Ding ein Gefäß, in dem sie Menschliches vorfanden und Menschliches hinzusparten. Nun drängen, von Amerika her, leere gleichgültige Dinge herüber, Schein-Dinge, Lebens-Attrappen... Ein Haus, im amerikanischen Verstande, ein amerikanischer Apfel oder eine dortige Rebe, hat nichts gemeinsam mit dem Haus, der Frucht, der Traube, in die Hoffnung und Nachdenklichkeit unserer Vorväter eingegangen war... Die belebten, die erlebten, die uns mitwissenden Dinge gehen zur Neige und können nicht mehr ersetzt werden. Wir sind vielleicht die Letzten, die noch solche Dinge gekannt haben. Auf uns ruht die Verantwortung, nicht allein ihr Andenken zu erhalten (das wäre wenig und unzuverlässig), sondern ihren humanen und larischen Wert. („Larisch“, im Sinne der Haus-Gottheiten).
Die Erde hat keine andere Ausflucht, als unsichtbar zu werden: in uns, die wir mit einem Teil unseres Wesens am Unsichtbaren beteiligt sind, Anteilscheine (mindestens) haben an ihm, und unseren Besitz an Unsichtbarkeit mehren können während unseres Hierseins, - in uns allein kann sich diese intime und dauernde Umwandlung des Sichtbaren in Unsichtbares, vom sichtbar- und greifbar-sein nicht länger Abhängiges vollziehen, wie unser eigenes Schicksal in uns fortwährend zugleich vorhandener und unsichtbar wird.
Die Elegien stellen diese Norm des Daseins auf: sie versichern, sie feiern dieses Bewußtsein. Sie stellen es vorsichtig in seine Traditionen ein, indem sie uralte Überlieferungen und die Gerüchte von Überlieferungen für diese Vermutung in Anspruch nehmen und selbst im ägyptischen Totenkult ein Vorwissen solcher Bezüge heraufrufen. (Obwohl das „Klageland“, durch das die ältere „Klage“ den jungen Toten führt, nicht Ägypten gleichzusetzen ist, sondern nur, gewissermaßen, eine Spiegelung des Nillandes in die Wüstenklarheit des Toten-Bewußtseins). (...)
Wenn man den Fehler begeht, katholische Begriffe des Todes, des Jenseits und der Ewigkeit an die Elegien oder Sonette zu halten, so entfernt man sich völlig von ihrem Ausgang und bereitet sich ein immer gründlicheres Mißverstehen vor.
Der „Engel“ der Elegien hat nichts mit dem Engel des christlichen Himmels zu tun (eher mit den Engelgestalten des Islam)... Der Engel der Elegien ist dasjenige Geschöpf, in dem die Verwandlung des Sichtbaren in Unsichtbares, die wir leisten, schon vollzogen erscheint. Für den Engel der Elegien sind alle vergangenen Türme und Paläste existent, weil längst unsichtbar, und die noch bestehenden Türme und Brücken unseres Daseins schon unsichtbar, obwohl noch (für uns) körperhaft dauernd. Der Engel der Elegien ist dasjenige Wesen, das dafür einsteht, im Unsichtbaren einen höheren Rang der Realität zu erkennen. - Daher „schrecklich“ für uns, weil wir, seine Liebenden und Verwandler, doch noch am Sichtbaren hängen.
Alle Welten des Universums stürzen sich ins Unsichtbare, als in ihre nächst-tiefere Wirklichkeit; einige Sterne steigern sich unmittelbar und vergehen im unendlichen Bewußtsein der Engel —, andere sind auf langsam und mühsam sie verwandelnde Wesen angewiesen, in deren Schrecken und Entzücken sie ihre nächste unsichtbare Verwirklichung erreichen. Wir sind, noch einmal sei's betont, im Sinne der Elegien, sind wir diese Verwandler der Erde, unser ganzes Dasein, die Flüge und Stürze unserer Liebe, alles befähigt uns zu dieser Aufgabe (neben der keine andere, wesentlich, besteht).
(Die Sonette zeigen Einzelheiten aus dieser Tätigkeit, die hier unter den Namen und Schutz eines verstorbenen Mädchens gestellt erscheint, deren Unvollendung und Unschuld die Grabtür offen hält, so daß sie, hingegangen, zu jenen Mächten gehört, die die Hälfte des Lebens frisch erhalten und offen nach der anderen wundoffenen Hälfte zu.) Elegien und Sonette unterstützen einander beständig - , und ich sehe eine unendliche Gnade darin, daß ich, mit dem gleichen Atem, diese beiden Segel füllen durfte: das kleine rostfarbene Segel der Sonette und der Elegien riesiges weißes Segel-Tuch.
          Möchten Sie, lieber Freund, hier einigen Rat und Aufschluß erkennen und, im Übrigen,   sich selber weiterhelfen. Denn: Ich weiß nicht, ob ich je mehr sagen könnte.
                                                                                                                           Ihr
                                                                                                                  R. M. Rilke


[n.d.N.: Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.]








dalla lettera del 13. 11. 1925 a Witold Hulewicz, suo traduttore polacco, che gli aveva chiesto delucidazioni riguardo alle Elegie Duinesi:



E sono io, quello che potrebbe dare alle Elegie la giusta spiegazione? Esse arrivano infinitamente lontano oltre me. Le ritengo un ulteriore disegno di quelle essenziali premesse che già erano date nel Libro delle ore, che si avvalgono, nelle due parti delle Nuove poesie, dell’Immagine del mondo, in gioco e tentativo, e che poi nel Malte, ripiegate su di sé in modo conflittuale, ribattono sulla vita e là portano quasi all’evidenza che questa vita così appesa nel vuoto sia impossibile. Nelle Elegie per gli stessi dati, la vita diventa di nuovo possibile, sì, sperimenta qui la definitiva asserzione, alla quale il giovane Malte, pur sulla giusta difficile via „des longues études“, non poteva ancora condurre.
Dire sì alla vita e sì alla morte si dimostra un tutt’uno, nelle Elegie. Ammettere uno senza l’altro sarebbe, come qui si sperimenta e si festeggia, una limitazione che infine esclude tutto l’infinito. La morte è il lato voltato, non separato da noi, della vita: dobbiamo tentare di fornire la più grande consapevolezza della nostra presenza, che è di casa in ambedue gli sconfinati ambiti, da ambedue nutrita senza segno di spossatezza...La vera forma di vita spazia nei due ambiti, il sangue della più ampia circolazione spinge ad ambedue: non c’è nè un aldiqua nè un aldilà, bensì la grande unità, nella quale sono di casa gli esseri a noi superiori, gli ”angeli”.
(…)
La natura, le cose della nostra transazione e dell’uso, appartengono al provvisorio e al caduco; ma sono, fintanto che siamo qui, nostro possesso e nostra amicizia, conoscono con noi i nostri bisogni e le contentezze, come già furono fidate per i nostri predecessori. Vale così, non solo non considerare cattivo e di basso rango tutto il Qui, ma anzi: proprio grazie alla sua provvisorietà, che divide con noi, queste apparizioni e cose devono essere acquisite da noi in una il più possibile intima comprensione e trasformate. Trasformate? Sì, perché è nostro compito, imprimerci questa provvisoria, caduca terra tanto in profondo, tanto in sofferenza e passione, che la sua essenza “invisibilmente“ risorga di nuovo in noi. Siamo le api dell’Invisibile. Nous butinons éperdument le miel du visible, pour l’accumuler dans la grande ruche d’or de l’Invisible.
Le “Elegie” ci mostrano intenti a quest’opera, all’opera con questo trasporre- mentre- accade: visibile e tangibile che amiamo in invisibile oscillazione ed eccitazione della nostra natura; che introduce nuove cifre di oscillazione nelle Sfere di oscillazione dell’universo. (Visto che i diversi materiali nel cosmo sono solo esponenti di oscillazione, prepariamo, in questo modo, non solo intensità di tipo spirituale, ma chissà nuovi corpi, metalli, nebulose e stelle).
(…)
Quando si commette l’errore di attribuire alle Elegie o ai Sonetti concezioni cattoliche della morte, dell’aldiqua e dell’eternità, ci si allontana completamente dalla loro origine e ci si prepara un’incomprensione sempre più abissale.
L’angelo delle Elegie non ha niente a che fare con l’angelo del paradiso cristiano (se mai con le forme angeliche dell’Islam)... L’angelo delle Elegie è quella creatura nella quale la trasformazione del visibile nell’invisibile che noi produciamo, appare già compiuta. Per l’angelo delle Elegie tutte le torri e i palazzi  del passato sono esistenti perchè da tempo invisibili, e le torri e i ponti della nosta presenza che ancora sussistono sono già invisibili, benchè ancora (per noi) perdurino come corpi. L’angelo delle Elegie è quell’essere, che sorge per riconoscere nell’invisibile un più alto rango della realtà. – Di qui “spaventoso” per noi, perchè noi, che l’amiamo e lo trasformiamo, siamo tuttavia ancora dipendenti dal visibile.
Tutti i mondi dell’universo si precipitano nell’Invisibile come loro realtà prossima-profonda; alcune stelle si innalzano immediatamente e trascorrono nell’infinita consapevolezza degli angeli -, altre vengono assegnate ad esseri lenti e faticosi a trasformarle,  nelle paure e negli incanti dei quali esse raggiungono il loro prossimo invisibile avverarsi. Noi siamo, sia ancora una volta accentuato, nel senso delle Elegie, siamo noi questi che trasformano la terra, tutta la nostra presenza, i voli e le precipitazioni del nostro amore, tutto ci rende abili a questo compito (di fronte al quale nessun altro, essenzialmente, sussiste).”

(I sonetti mostrano particolari di questa attività, che va qui sotto il nome e la protezione di una ragazza che è morta, la cui incompiutezza e innocenza tengono aperta la porta del sepolcro, in modo che lei, andata là, appartenga a quelle potenze che mantengono fresca la metà della vita e aperta verso l’altra metà che è aperta come una ferita).
Elegie e Sonetti si sostengono a vicenda continuamente - , e io vedo un’infinita grazia nel fatto di aver potuto con lo stesso respiro riempire queste due vele: la piccola vela color ruggine dei Sonetti e il bianco telo gigantesco della vela delle Elegie.
Vogliate, caro amico, riconoscere qui un qualche consiglio e informazione e , per il resto servitevi da solo. Infatti: non so, se potrò mai dire di più.

                                                                                                            Suo
                                                                         R. M. Rilke


(n.d.t.: Portiamo perdutamente il miele del visibile, per accumularlo nel grande favo d’oro dell’Invisibile).


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