Rainer Maria Rilke
schrieb am 13. November 1925 an seinen polnischen Übersetzer Witold Hulewicz, der ihn um Erläuterungen zu seinen Duineser Elegien gebeten hatte, u.a. folgendes:
Und bin ich es,
der den Elegien die richtige Erklärung geben darf? Sie reichen unendlich über
mich hinaus. Ich halte sie für eine weitere Ausgestaltung jener wesentlichen
Voraussetzungen, die schon im „Stundenbuch“ gegeben waren, die sich, in den
beiden Teilen der „Neuen Gedichte“, des Welt-Bilds spielend und versuchend
bedienen und die dann im Malte, konflikthaft zusammengezogen, ins Leben
zurückschlagen und dort beinah zum Beweis führen, daß dieses so ins Bodenlose
gehängte Leben unmöglich sei. In den „Elegien“ wird, aus den gleichen
Gegebenheiten heraus, das Leben wieder möglich, ja es erfährt hier diejenige
endgültige Bejahung, zu der es der junge Malte, obwohl auf dem richtigen
schweren Wege „des longues études“, noch nicht führen konnte. Lebens- und
Todesbejahung erweist sich als Eines in den „Elegien“.
Das eine
zuzugeben ohne das andere, sei, so wird hier erfahren und gefeiert, eine
schließlich alles Unendliche ausschließende Einschränkung. Der Tod ist die uns
abgekehrte, von uns unbeschienene Seite des Lebens: wir müssen versuchen, das
größeste Bewußtsein unseres Daseins zu leisten, das in beiden unabgegrenzten
Bereichen zu Hause ist, aus beiden unerschöpflich genährt... Die wahre
Lebensgestalt reicht durch beide Gebiete, das Blut des größesten Kreislaufs
treibt durch beide: es gibt weder ein Diesseits noch Jenseits, sondern die
große Einheit, in der die uns übertreffenden Wesen, die „Engel“, zu Hause sind.
(...)
Die Natur, die Dinge unseres Umgangs und Gebrauchs, sind
Vorläufigkeiten und Hinfälligkeiten; aber sie sind, solang wir hier sind, unser
Besitz und unsere Freundschaft, Mitwisser unserer Not und Froheit, wie sie
schon die Vertrauten unserer Vorfahren gewesen sind. So gilt es, alles Hiesige
nicht nur nicht schlecht zu machen und herabzusetzen, sondern gerade, um seiner
Vorläufigkeit willen, die es mit uns teilt, sollen diese Erscheinungen und
Dinge von uns in einem innigsten Verstande begriffen und verwandelt werden.
Verwandelt? Ja, denn unsere Aufgabe ist es, diese vorläufige, hinfällige Erde
uns so tief, so leidend und leidenschaftlich einzuprägen, daß ihr Wesen in uns
„unsichtbar“ wieder aufersteht. Wir sind die Bienen des Unsichtbaren. Nous butinons
éperdument le miel du visible, pour l’accumuler dans la grande ruche d’or de
l’Invisible. Die „Elegien“ zeigen uns an diesem
Werke, am Werke dieser fortwährenden Umsetzungen des geliebten Sichtbaren und
Greifbaren in die unsichtbare Schwingung und Erregtheit unserer Natur, die neue
Schwingungszahlen einführt in die Schwingungs-Sphären des Universums. (Da die
verschiedenen Stoffe im Weltall nur verschiedene Schwingungsexponenten sind, so
bereiten wir, in dieser Weise, nicht nur Intensitäten geistiger Art vor, sondern
wer weiß, neue Körper, Metalle, Sternnebel und Gestirne).
Und diese
Tätigkeit wird eigentümlich gestützt und gedrängt durch das immer raschere
Hinschwinden von so vielem Sichtbaren, das nicht mehr ersetzt werden wird. Noch
für unsere Großeltern war ein „Haus“, ein „Brunnen“, ein ihnen vertrauter Turm,
ja ihr eigenes Kleid, ihr Mantel: unendlich mehr, unendlich vertraulicher; fast
jedes Ding ein Gefäß, in dem sie Menschliches vorfanden und Menschliches
hinzusparten. Nun drängen, von Amerika her, leere gleichgültige Dinge herüber,
Schein-Dinge, Lebens-Attrappen... Ein Haus, im amerikanischen Verstande, ein
amerikanischer Apfel oder eine dortige Rebe, hat nichts gemeinsam mit dem Haus,
der Frucht, der Traube, in die Hoffnung und Nachdenklichkeit unserer Vorväter
eingegangen war... Die belebten, die erlebten, die uns mitwissenden Dinge gehen
zur Neige und können nicht mehr ersetzt werden. Wir sind vielleicht die
Letzten, die noch solche Dinge gekannt haben. Auf uns ruht die Verantwortung,
nicht allein ihr Andenken zu erhalten (das wäre wenig und unzuverlässig),
sondern ihren humanen und larischen Wert. („Larisch“, im Sinne der
Haus-Gottheiten).
Die Erde hat keine andere
Ausflucht, als unsichtbar zu werden: in uns, die wir mit einem Teil unseres
Wesens am Unsichtbaren beteiligt sind, Anteilscheine (mindestens) haben an ihm,
und unseren Besitz an Unsichtbarkeit mehren können während unseres Hierseins, -
in uns allein kann sich diese intime und dauernde Umwandlung des Sichtbaren in
Unsichtbares, vom sichtbar- und greifbar-sein nicht länger Abhängiges
vollziehen, wie unser eigenes Schicksal in uns fortwährend zugleich vorhandener
und unsichtbar wird.
Die Elegien stellen diese Norm des Daseins
auf: sie versichern, sie feiern dieses Bewußtsein. Sie stellen es vorsichtig in
seine Traditionen ein, indem sie uralte Überlieferungen und die Gerüchte von
Überlieferungen für diese Vermutung in Anspruch nehmen und selbst im
ägyptischen Totenkult ein Vorwissen solcher Bezüge heraufrufen. (Obwohl das
„Klageland“, durch das die ältere „Klage“ den jungen Toten führt, nicht Ägypten
gleichzusetzen ist, sondern nur, gewissermaßen, eine Spiegelung des Nillandes
in die Wüstenklarheit des Toten-Bewußtseins). (...)
Wenn man den
Fehler begeht, katholische Begriffe des Todes, des Jenseits und der Ewigkeit an
die Elegien oder Sonette zu halten, so entfernt man sich völlig von ihrem
Ausgang und bereitet sich ein immer gründlicheres Mißverstehen vor.
Der „Engel“ der Elegien hat nichts mit dem Engel des christlichen
Himmels zu tun (eher mit den Engelgestalten des Islam)... Der Engel der Elegien
ist dasjenige Geschöpf, in dem die Verwandlung des Sichtbaren in Unsichtbares,
die wir leisten, schon vollzogen erscheint. Für den Engel der Elegien sind alle
vergangenen Türme und Paläste existent, weil längst unsichtbar, und die noch
bestehenden Türme und Brücken unseres Daseins schon unsichtbar, obwohl noch
(für uns) körperhaft dauernd. Der Engel der Elegien ist dasjenige Wesen, das
dafür einsteht, im Unsichtbaren einen höheren Rang der Realität zu erkennen. -
Daher „schrecklich“ für uns, weil wir, seine Liebenden und Verwandler, doch
noch am Sichtbaren hängen.
Alle Welten des
Universums stürzen sich ins Unsichtbare, als in ihre nächst-tiefere
Wirklichkeit; einige Sterne steigern sich unmittelbar und vergehen im
unendlichen Bewußtsein der Engel —, andere sind auf langsam und mühsam sie
verwandelnde Wesen angewiesen, in deren Schrecken und Entzücken sie ihre
nächste unsichtbare Verwirklichung erreichen. Wir sind, noch einmal sei's
betont, im Sinne der Elegien, sind wir diese Verwandler der Erde, unser ganzes
Dasein, die Flüge und Stürze unserer Liebe, alles befähigt uns zu dieser
Aufgabe (neben der keine andere, wesentlich, besteht).
(Die Sonette
zeigen Einzelheiten aus dieser Tätigkeit, die hier unter den Namen und Schutz
eines verstorbenen Mädchens gestellt erscheint, deren Unvollendung und Unschuld
die Grabtür offen hält, so daß sie, hingegangen, zu jenen Mächten gehört, die
die Hälfte des Lebens frisch erhalten und offen nach der anderen wundoffenen Hälfte
zu.) Elegien und Sonette unterstützen einander beständig - , und ich sehe eine
unendliche Gnade darin, daß ich, mit dem gleichen Atem, diese beiden Segel
füllen durfte: das kleine rostfarbene Segel der Sonette und der Elegien
riesiges weißes Segel-Tuch.
Möchten Sie, lieber Freund, hier
einigen Rat und Aufschluß erkennen und, im Übrigen, sich selber weiterhelfen. Denn: Ich weiß nicht, ob ich je mehr
sagen könnte.
Ihr
R. M. Rilke
[n.d.N.: Wir tragen leidenschaftlich
den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des
Unsichtbaren anzuhäufen.]
dalla lettera del 13. 11. 1925 a Witold Hulewicz, suo
traduttore polacco, che gli aveva chiesto delucidazioni riguardo alle Elegie
Duinesi:
E sono io, quello che potrebbe dare
alle Elegie la giusta spiegazione? Esse arrivano infinitamente lontano oltre
me. Le ritengo un ulteriore disegno di quelle essenziali premesse che già erano
date nel Libro delle ore, che si avvalgono, nelle due parti delle Nuove poesie,
dell’Immagine del mondo, in gioco e tentativo, e che poi nel Malte, ripiegate
su di sé in modo conflittuale, ribattono sulla vita e là portano quasi
all’evidenza che questa vita così appesa nel vuoto sia impossibile. Nelle
Elegie per gli stessi dati, la vita diventa di nuovo possibile, sì, sperimenta
qui la definitiva asserzione, alla quale il giovane Malte, pur sulla giusta
difficile via „des longues études“, non poteva ancora condurre.
Dire
sì alla vita e sì alla morte si dimostra un tutt’uno, nelle Elegie. Ammettere
uno senza l’altro sarebbe, come qui si sperimenta e si festeggia, una
limitazione che infine esclude tutto l’infinito. La morte è il lato voltato,
non separato da noi, della vita: dobbiamo tentare di fornire la più grande
consapevolezza della nostra presenza, che è di casa in ambedue gli sconfinati
ambiti, da ambedue nutrita senza segno di spossatezza...La vera forma di vita
spazia nei due ambiti, il sangue della più ampia circolazione spinge ad
ambedue: non c’è nè un aldiqua nè un aldilà, bensì la grande unità, nella quale
sono di casa gli esseri a noi superiori, gli ”angeli”.
(…)
La natura, le cose della nostra
transazione e dell’uso, appartengono al provvisorio e al caduco; ma sono,
fintanto che siamo qui, nostro possesso e nostra amicizia, conoscono con noi i
nostri bisogni e le contentezze, come già furono fidate per i nostri
predecessori. Vale così, non solo non considerare cattivo e di basso rango
tutto il Qui, ma anzi: proprio grazie alla sua provvisorietà, che divide con
noi, queste apparizioni e cose devono essere acquisite da noi in una il più
possibile intima comprensione e trasformate. Trasformate? Sì, perché è nostro
compito, imprimerci questa provvisoria, caduca terra tanto in profondo, tanto
in sofferenza e passione, che la sua essenza “invisibilmente“ risorga di nuovo
in noi. Siamo le api dell’Invisibile. Nous
butinons éperdument le miel du visible, pour l’accumuler dans la grande ruche
d’or de l’Invisible.
Le “Elegie” ci
mostrano intenti a quest’opera, all’opera con questo trasporre- mentre- accade:
visibile e tangibile che amiamo in invisibile oscillazione ed eccitazione della
nostra natura; che introduce nuove cifre di oscillazione nelle Sfere di
oscillazione dell’universo. (Visto che i diversi materiali nel cosmo sono solo
esponenti di oscillazione, prepariamo, in questo modo, non solo intensità di
tipo spirituale, ma chissà nuovi corpi, metalli, nebulose e stelle).
(…)
Quando si commette l’errore di
attribuire alle Elegie o ai Sonetti concezioni cattoliche della morte, dell’aldiqua
e dell’eternità, ci si allontana completamente dalla loro origine e ci si
prepara un’incomprensione sempre più abissale.
L’angelo delle
Elegie non ha niente a che fare con l’angelo del paradiso cristiano (se mai con
le forme angeliche dell’Islam)... L’angelo delle Elegie è quella creatura nella
quale la trasformazione del visibile nell’invisibile che noi produciamo, appare
già compiuta. Per l’angelo delle Elegie tutte le torri e i palazzi del passato sono esistenti perchè da tempo
invisibili, e le torri e i ponti della nosta presenza che ancora sussistono
sono già invisibili, benchè ancora (per noi) perdurino come corpi. L’angelo
delle Elegie è quell’essere, che sorge per riconoscere nell’invisibile un più
alto rango della realtà. – Di qui “spaventoso” per noi, perchè noi, che
l’amiamo e lo trasformiamo, siamo tuttavia ancora dipendenti dal visibile.
Tutti i mondi dell’universo si
precipitano nell’Invisibile come loro realtà prossima-profonda; alcune stelle
si innalzano immediatamente e trascorrono nell’infinita consapevolezza degli
angeli -, altre vengono assegnate ad esseri lenti e faticosi a
trasformarle, nelle paure e negli
incanti dei quali esse raggiungono il loro prossimo invisibile avverarsi. Noi
siamo, sia ancora una volta accentuato, nel senso delle Elegie, siamo noi
questi che trasformano la terra, tutta la nostra presenza, i voli e le
precipitazioni del nostro amore, tutto ci rende abili a questo compito (di
fronte al quale nessun altro, essenzialmente, sussiste).”
(I
sonetti mostrano particolari di questa attività, che va qui sotto il nome e la
protezione di una ragazza che è morta, la cui incompiutezza e innocenza tengono
aperta la porta del sepolcro, in modo che lei, andata là, appartenga a quelle
potenze che mantengono fresca la metà della vita e aperta verso l’altra metà
che è aperta come una ferita).
Elegie
e Sonetti si sostengono a vicenda continuamente - , e io vedo un’infinita
grazia nel fatto di aver potuto con lo stesso respiro riempire queste due vele:
la piccola vela color ruggine dei Sonetti e il bianco telo gigantesco della
vela delle Elegie.
Vogliate,
caro amico, riconoscere qui un qualche consiglio e informazione e , per il
resto servitevi da solo. Infatti: non so, se potrò mai dire di più.
Suo
R. M. Rilke
(n.d.t.: Portiamo perdutamente il miele del visibile, per
accumularlo nel grande favo d’oro dell’Invisibile).

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