Georgien 2008

Georgien 2008

Friedrich Hölderlin, Die Linien des Lebens

       


Die Linien des Lebens sind verschieden,
wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.


Linee della vita sono diverse,
come le vie, e profili di monti.
Di quel che qui siamo, là un Dio fa il sunto
con armonie e pace e pregio eterno.

*



Die Launischen

 

 

           
Hör ich ferne nur her, wenn ich für mich geklagt,
    Saitenspiel und Gesang, schweigt mir das Herz doch gleich;
        bald auch bin ich verwandelt,
            blinkst du, purpurner Wein! mich an
Unter Schatten des Walds, wo die gewaltige
    Mittagssonne mir sanft über dem Laube glänzt;
        ruhig sitz ich da selbst, wenn
            zürnend schwerer Beleidigung
ich im Felde geirrt – zürnen zu gerne doch
    deine Dichter, Natur! trauern und weinen leicht,
        die Beglückten; wie Kinder,
            die zu zärtlich die Mutter hält,
sind sie mürrisch und voll herrischen Eigensinns;
    wandeln still sie des Wegs, irret Geringes doch
        bald sie wieder; sie reißen
            aus dem Gleise sich sträubend dir.
Doch du rührest sie kaum, Liebende! freundlich an,
    sind sie friedlich und fromm; fröhlich gehorchen sie;
        Du lenkst, Meisterin! sie mit
            weichem Zügel, wohin du willst.



Gli umorali


Sento di lontano quando per me lamento,
accordi e canti, subito tace il cuore;
sono già trasformato
se mi vedi tu, vino di porpora!

Sotto ombre di bosco dove il sole
del mezzodì splende tenue nel verde;
siedo tranquillo quando
irato da pesante offesa

vagai nei campi – troppo irosi
natura, i tuoi poeti! Lutto e pianto facile
i felici; infantili
se la madre fu troppo delicata

ombrosi e pieni di sé prepotenti:
cambiano zitti cammino, un’inezia
li fuorvia; si strappano
opponendo resistenza.

Ma se appena li sfiori, cara! amichevole,
pacifici e pii contenti ti seguono;
tu guidi maestra! Con
tratto lieve, dove vuoi.

*



Wurzel alles Übels

 

Einig zu sein, ist göttlich und gut; woher ist die Sucht denn
    unter den Menschen, daß nur einer und eines nur sei?



Radice di tutto il male

Uniti andare d’accordo è delizia divina; come mai
fra gli umani il bisogno dell’unico o di una cosa?


*


Höhere Menschheit

 

 

     
Den Menschen ist der Sinn ins Innere gegeben,
daß sie als anerkannt das Beßre wählen,
es gilt als Ziel, es ist das wahre Leben,
von dem sich geistiger des Lebens Jahre zählen.


Umanità superiore


Agli umani è dato il senso dell’interno,
che sappiano cos’è migliore,
vale come meta, è la vera vita,
di cui contino gli anni spirituali.


*


Mnemosyne

Letzte Fassung


       
Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet
die Frucht und auf der Erde geprüfet und ein Gesetz ist,
daß alles hineingeht, Schlangen gleich,
prophetisch, träumend auf
den Hügeln des Himmels. Und vieles
wie auf den Schultern eine
Last von Scheitern ist
zu behalten. Aber bös sind
die Pfade. Nämlich unrecht,
wie Rosse, gehn die gefangenen
Element' und alten
Gesetze der Erd. Und immer
ins Ungebundne gehet eine Sehnsucht. Vieles aber ist
zu behalten. Und Not die Treue.
Vorwärts aber und rückwärts wollen wir
nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie
auf schwankem Kahne der See.
Wie aber Liebes? Sonnenschein
am Boden sehen wir und trockenen Staub
und heimatlich die Schatten der Wälder und es blühet
an Dächern der Rauch, bei alter Krone
der Türme, friedsam; gut sind nämlich,
hat gegenredend die Seele
ein Himmlisches verwundet, die Tageszeichen.
Denn Schnee, wie Maienblumen
das Edelmütige, wo
es seie, bedeutend, glänzet auf
der grünen Wiese
der Alpen, hälftig, da, vom Kreuze redend, das
gesetzt ist unterwegs einmal
Gestorbenen, auf hoher Straß
ein Wandersmann geht zornig,
fern ahnend mit
dem andern, aber was ist dies?
Am Feigenbaum ist mein
Achilles mir gestorben,
und Ajax liegt
an den Grotten der See,
an Bächen, benachbart dem Skamandros.
An Schläfen Sausen einst, nach
der unbewegten Salamis steter
Gewohnheit, in der Fremd, ist groß
Ajax gestorben,
Patroklos aber in des Königes Harnisch. Und es starben
noch andere viel. Am Kithäron aber lag
Eleutherae, der Mnemosyne Stadt. Der auch, als
ablegte den Mantel Gott, das Abendliche nachher löste
die Locken. Himmlische nämlich sind
unwillig, wenn einer nicht die Seele schonend sich
zusammengenommen, aber er muß doch; dem
gleich fehlet die Trauer.




Mnemosine

ultima versione


Maturi, immersi nel fuoco i frutti
provati in terra ed è legge
tutto vi rientri, come serpenti,
profetici sognano su
poggi paradisiaci. E molto
come sulle spalle un
peso di separarsi
da portare. Maligni però
i sentieri. Infatti ingiusti
come cavalli, vanno i prigionieri
elementi e antiche
leggi della terra. E sempre
nel non vincolato va una nostalgia. Ma molto
va tenuto. E un bisogno questa fedeltà.
In avanti invece e indietro non vogliamo
vedere. Cullare lasciarsi, come
su barca che dondola il mare.

Come però, caro? Raggi di sole
sul terreno e polvere secca
e come patria le ombre dei boschi e fiorisce
ai tetti il fumo, ad antiche corone
di torri, in pace; buoni infatti
se a contraddire l’anima
un Celeste la ferì, i presagi del giorno.
Che neve, o biancospino
l’animo nobile dove
che sia, importante, risplende
sul verde prato
delle Alpi, proprio là come parlasse della croce, che
fu posta in cammino un tempo
ai morti, su alta via
un viandante va iroso,
lontano presume con
l’altro, ma cos’è questo?
All’albero di  fico mi è
Achille mio morto,
e Aiace giace
alle grotte sul lago,
ai torrenti imparentati allo Scamandro.
Ai sonni correre un tempo, dopo
la ferma abitudine
della non commossa Salamina, straniero il grande
Aiace morì,
Patroclo invece nel regno. E morirono
molti altri molto. Presso il Citereo era
Eleutera, città di Mnemosine. A lei, ove
tolse Dio il manto, sciolse i capelli
l’elemento serale, in seguito. I Celesti infatti
non sono propensi, se uno a proteggersi
non trattiene l’anima, tuttavia deve; a lui
subito viene meno il lutto.




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