Georgien 2008

Georgien 2008

Sisi (Elisabeth von Oesterreich)

Sisi (Elisabeth von Oesterreich) geboren 1837 gestorben 1898



Titanias Klage

 

Die Dichter singen von Liebe,
und Liebe atmet Natur.-
Ach! wenn sie auch immer bliebe!
Freilich! dann bräche kein Schwur!

Wie glücklich sind meine Schwestern,
wie unbefangen froh!-
Sie lieben heute, wie gestern,
Jahrtausend geht´s schon so.

Nur ich, die schier wie Verfluchte,
ich, Feenkönigin,
ich finde nie das Gesuchte,
nie den verwandten Sinn.

Umsonst verschied´ner Malen
stieg ich vom Lilienthron;
es währte mein Gefallen
nie lange am Erdensohn.

In üpp´gen Sommernächten,
bei schwülem Vollmondschein
dacht´ oft: "Jetzt hab´ ich den Rechten!"
Und wollte mich schon freu´n.

Doch immer beim Morgengrauen,
an´s Herz gedrückt noch warm,
musst´ mit Entsetzen ich schauen
den Eselskopf im Arm!




Lamento di Titania


Poeti cantano amore,
amore spira natura. –
oh! Rimanesse per sempre!
Non si rompe neanche un patto!

Che fortunate le mie sorelle,
liberamente felici! –
amano oggi, e ieri,
da millenni sempre così.

Io sola la maledetta,
la regina delle fate,
mai che trovi quel che cerco,
mai il somigliante senso.

Invano diverse volte
scesi dal trono di gigli;
non dura la compiacenza
per un figlio della terra.

Le belle notti d’estate,
ai raggi del plenilunio
penso che sì, è quello giusto!
E quasi mi rallegro già.

Però quando viene l’alba,
stretto ancora caldo al cuore,
devo veder con orrore
la testa d’asino abbraccio!


*
Sehnsucht


Es kehrt der junge Frühling wieder
und schmückt dem Baum mit frischen Grün
und lehrt den Vögeln neue Lieder
und macht die Blumen schöner blüh´n.
Doch was ist mir die Frühlingswonne
hier im fernen, fremden Land?
Ich sehn´ mich nach der Heimat Sonne,
Ich sehn´ mich nach der Isar Strand.
Ich sehn´ mich nach den dunklen Bäumen,
ich sehn´ mich nach dem grünen Fluß,
der leis in meinen Abendträumen
gemurmelt seinen Abschiedgruß.



Nostalgia

Torna la giovane primavera
orna l’albero di fresco verde
nuovi canti agli augelli insegna
fa fiorire più belli i fiori.
Ma che giova a me il piacere
in lontane terre straniere?
Vorrei il sole di casa mia
della spiaggia fluviale ho nostalgia.
E di quegli alberi molto scuri,
quel fiume verde lentamente
la sera in sogno mormorante
il suo saluto di addio.


*

Verlassen


Wie war ich einst so jung und reich
An Lebenslust und Hoffen;
Ich wähnte nichts an Kraft mir gleich,
Die Welt stand mir noch offen.

Ich hat geliebt, ich hab gelebt,
ich hab' die Welt durchzogen;
doch nie erreicht, was ich erstrebt.
Ich hab und ward betrogen.


Abbandonata


Come fui giovane e piena
Di vitalità e speranza;
non una forza a me pari,
il mondo tutto aperto.

Ho amato ed ho vissuto,
ho attraversato il mondo;
non raggiunsi mai la meta.
Ingannai e fui ingannata.



*
An meinen Meister


Es schluchzt meine Seele, sie jauchzt und sie weint,
sie war heute Nacht mit der Deinen verreint;
sie hielt Dich umschlungen so innig und fest,
Du hast sie an Deine mit Inbrunst gepresst.
Du hast sie befruchtet, Du hast sie beglückt,
sie schauert und bebt noch, doch ist sie erquickt.
O könnten nach Monden aus ihr auch erblüh´n
so wonnige Lieder, wie Dir einst gedieh´n! -
Wie würde sie hegen, die Du ihr schenkst,
die Kinder, die Du, Deine Seele getränkt.


Al mio maestro


Singhiozza l’anima, festeggia e piange,
era stanotte con la tua unita;
ti tenne avvolto così intimamente,
tu con fervore alla tua la premesti.
L’hai resa fruttifera l’hai resa felice,
ha brividi e trema, ancora, ma è viva.
Potessero anche da lei fiorir lune,
e canti di gusto come a te riuscì! –
quanto carezzerebbe i regali,
i bimbi che la tua anima alleva.


*

Ich wollt´, die Leute liessen mich
in Ruh´ und ungeschoren,
ich bin ja doch nur sicherlich
ein Mensch, wie sie geboren.
Es tritt die Galle mir fast aus,
wenn sie mich so fixieren;
ich kröch´ gern in ein Schneckenhaus
und könnt´ vor Wut krepieren.
Gewahr´ ich gar ein Opernglas
tückisch auf mich gerichtet,
am liebsten sähe ich gleich das,
samt der Person vernichtet.



Vorrei la gente mi lasciasse in pace
potessi poi pure essere franca
io sono certamente infatti nata
una persona come lo son loro.
la bile quasi mi si sversa
quando vedo che tanto mi fissano;
vorrei entrar nel guscio di lumaca
e dalla rabbia tuttavia crepare.
Se mai all’Opera c’è un occhialino
a tradimento su di me puntato
di preferenza insieme al personaggio
lo vorrei subito annientato.


*


An die Zukunftsseelen


Ich fliehe vor der Welt samt ihren Freuden,
und ihre Menschen stehen mir heut fern;
es sind ihr Glück mir fremd und ihre Leiden;
ich stehe einsam, wie auf and`rem Stern...



Alle anime del futuro


Rifuggo dal mondo e le sue gioie,
l’umanità da me oggi è lontana;
estranea la felicità e le pene;
sto solitaria come su altra stella…


*


An die Zukunfts-Seelen
(Poetisches Tagebuch S. 214)


Ich wandle einsam hin auf dieser Erde,
der Lust, dem Leben längst schon abgewandt;
es teilt mein Seelenleben kein Gefährte,
die Seele gab es nie, die mich verstand.

errante solitaria in questa terra,
non più rivolta alla voglia, alla vita;
non c’è un compagno che con me condivida,
l’anima mai ci fu che mi capisse.


*



Wer hat´s Dir wohl verraten,
du liebe Nordsee mein,
dass ich mit Leib und Seele,
so ganz und gar bin dein?...

ob´s wohl die Möven waren,
die es Dir hinterbracht? -
denn oft am Strande wandelnd,
hab´s ihnen ich gesagt.

Seitdem läss´t keine Ruhe
du mir bei Tag und Nacht;
rufst mich bald wild und drohend,
dann wieder schmeichelt sacht.

Du willst mich wiegen, schaukeln,
dein Arm ist ja so weich,
bis endlich du mich dennoch
ziehst in dein nasses Reich.



chi te l’ha rivelato,
caro mio mare del nord
che io anima e corpo
del tutto sono tua?…

furono forse i gabbiani
che te lo han riportato?
che spesso sulla spiaggia
vagai e glielo dissi.

Da allora non dai quiete
né il giorno né la notte;
mi chiami ora selvaggio
e poi di nuovo mite.

Mi vuoi cullare a dondolo
il tuo braccio è morbido
fino a che finalmente
mi attiri nel tuo impero.




*

Abschied von Zandvoort

 

Noch einen letzten , langen Blick
auf dich geliebtes Meer!
Dann lebe wohl, so schwer´s auch fällt,
Gott geb´, auf Wiederkehr!

Zum Abschiedsgrusse wählt´ ich mir
die stille Mondesnacht -
du liegst vor mir - ein schimmernd Bild -
in deiner Silberpracht.

Wenn morgen übers Dünenland
die Sonne Strahl dich streift,
bin ich mit raschem Flügelschlag
schon weit von hier geschweift.

Umkreisen wird dich, wie zuvor,
der Möven weisse Schar;
dass unter ihnen eine fehlt,
wirst du es wohl gewahr?



Congedo da Zandvoort


Ancora un lungo ultimo sguardo
a te mi amato mare!
Poi lungavita per quanto sia duro,
conceda Dio a rivederci!

Per l’addio mi scelsi
silente notte di luna –
davanti a me tu immagine lucente
nella magnificenza argentea.

Quando domani sopra le dune
ti carezzerà un raggio di sole,
con rapido batter d’ali
sarò di qui sparita.

Ti cerchierà come una volta
lo stormo bianco dei gabbiani;
che fra loro una manca

te ne accorgerai?



*

Una rapida ebbrezza. I giorni genovesi di Elisabetta D’Austria. 
A cura di Vittorio Laura e Massimo Sannelli, Edizioni GMT 2012 



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